Jagdstutzen mit beschnitztem Backenschaft, Steinschloss auf Perkussion aptiert, um 1750
Jagdstutzen im Kaliber 15 mm mit durchgehend achtkantigem Lauf und Blattvisier im hinteren Laufdrittel. Steinschloss auf Perkussion aptiert: flache Schlossplatte in Steinschlossform mit spitz auslaufendem Schwanz und verbliebenen, teils verfüllten Bohrungen der entfernten Pfannenteile, S-förmiger Hahn. Heller Nussbaum-Vollschaft mit deutschem Backenkolben, Kolbenhals beschnitzt und gewaffelt, an der rechten Kolbenseite Kolbenfach mit ovalem, gewaffeltem Holzdeckel, Nasenkappe aus Horn. Messingbeschläge: Abzugsbügel, Kolbenkappe mit langer Oberschiene, graviertes Gegenblech und Ladestockröhrchen, Ladestock vorhanden. Altersgemäßer Zustand, Mechanik funktioniert, Lauf mit fleckiger Patina und Narbenzonen, Schloss narbig, Holz mit zahlreichen kleinen Wurmlöchern. Bitte besichtigen. L. 107 cm.
Die Jägerbüchse, auch Jagdstutzen oder Jagdbüchse, entstand im späten 17. Jh. in Mitteleuropa: eine kurze Jagdwaffe mit schwerem Achtkantlauf, Vollschaft bis zur Mündung und einem Fach im Kolben, das mit einem hölzernen Schiebe- oder Klappdeckel verschlossen ist. Dieses Kolbenfach, auch Kolbenkasten oder Kolbenlade, nahm gefettete Pflaster für die Kugel und Werkzeug wie Kugelzieher und Putzaufsatz auf. Weitere Kennzeichen sind der Backenschaft mit erhabener Wangenauflage, die Hornnase am Vorderschaft und die Messinggarnitur mit Gegenblech und Ladestockröhrchen. Aus der Jägerbüchse entwickelten deutsche Einwanderer in Pennsylvania ab etwa 1710 die amerikanische Long Rifle, die Pennsylvania oder Kentucky Rifle. Nach dem Aufkommen der Perkussionszündung in den 1820er Jahren wurden zahlreiche Steinschlossbüchsen aptiert: Pfanne und Batterie wurden abgenommen, die Bohrungen in der Schlossplatte verschlossen und ein Piston für das Zündhütchen in den Lauf gesetzt; so blieben Jagdwaffen des 18. Jhs. bis weit ins 19. Jh. in Gebrauch. Freier Vorderlader, Erwerb ab 18 Jahren.