Steinschlosspistole mit Nussbaumvollschaft und silberfarbener Daumenplatte für Offiziere, 18. Jh.
Steinschlosspistole für einen Offizier. Achtkantig-runder Eisenlauf (im Kammerbereich achtkantig, dann rund), Kaliber 14 mm, ohne Marken. Steinschloss mit flacher Schlossplatte, Schwanenhalshahn und Batterie mit Batteriefeder. Vollschaft aus Nussbaum mit hölzernem Ladestock in zwei eisernen Ladestockröhrchen. Auf dem Griffrücken eine silberfarbene Daumenplatte in Form einer Rocaille-Kartusche mit leerem Feld. Die Beschläge aus Eisen: Schlossgegenplatte, Abzugsbügel mit Balusterabschluss und Kolbenkappe mit langen seitlichen Ausläufern und gedrücktem Kugelknauf. Die Mechanik hakt etwas, der Vorderschaft mit alt restaurierter Stelle und feinen Trockenrissen, das Metall mit Alterspatina. L. 34 cm.
Das Steinschloss war vom 17. bis in das frühe 19. Jh. das verbreitete Zündsystem der Handfeuerwaffen: Ein eingespannter Feuerstein erzeugt beim Abschlagen der Batterie den zündenden Funken. Kurze Reisepistolen mit Eisengarnitur und Kugelknauf, deren Daumenplatte auf dem Griffrücken Initialen oder Wappen des Besitzers aufnehmen konnte, sind in Kontinentaleuropa in der 2. Hälfte des 18. Jhs. verbreitet; Offiziere beschafften solche Waffen privat. Die Rocaille, das muschelartige Schweifwerk der Daumenplatte, ist das Leitornament des Rokoko. Als Steinschlosswaffe mit Modelljahr vor 1871 ist die Pistole nach dem Waffengesetz erlaubnisfrei und an Personen ab 18 Jahren abzugeben.