Johann Christian Jahn, Wernigerode, Achtkantlauf einer Wallbüchse, um 1750, ohne Schaft und Schloss
Eisen mit goldfarbener Einlage, schwerer, durchgehend achtkantiger Lauf einer Wallbüchse mit glatter Bohrung, ohne Schaft und Schloss, auf Perkussion aptiert, Kaliber 20 mm. Auf der oberen Achtkantfläche am Laufansatz goldfarben eingelegt der Name „IOHANN·CHRISTIAN·IAHN“ in Kapitalen, nahe dem Laufansatz ein rechteckiger Visierausschnitt mit Rest des Standvisiers, nahe der Mündung die quer eingeschnittene Kornaufnahme, Korn fehlt. Schwanzschraube mit flachem, durchbohrtem Ansatz, seitlich am Laufansatz der Piston, an der Unterseite zwei Laufwarzen für die Querstifte der Schäftung, Oberfläche über die ganze Länge narbig korrodiert. L. 102 cm
Der goldfarben eingelegte Name auf der oberen Achtkantfläche nennt Johann Christian Jahn, auch Jann geschrieben, der um 1750 als Windbüchsenmacher in Wernigerode am Harz tätig war; solche Namenszüge setzten die Büchsenmacher als Signatur auf ihre Läufe, und Windbüchsenmacher wie Friedrich Jacob Boßler in Darmstadt bauten neben Luftgewehren auch Pulverwaffen. Schwere, dickwandige Achtkantläufe mit Kalibern um 18 bis 21 mm kennzeichnen die Wallbüchse, die Festungswaffe für weite Schussentfernungen, die wegen Gewicht und Rückstoß nicht angeschlagen, sondern aufgelegt auf Brustwehr oder Bock geschossen wurde; viele Stücke des 18. und 19. Jhs. sind ohne den Rückstoßhaken der älteren Hakenbüchsen gebaut. Mit der Perkussionszündung, bei der der Hahn auf ein Zündhütchen auf dem Piston schlägt, wurden im 19. Jh. viele ältere Vorderlader weiter genutzt; das Zündhütchensystem geht auf das Patent von Alexander John Forsyth von 1807 zurück. Literatur: Heer, Der neue Stöckel, 1978, S. 584.