Studentischer Bierkrug der Verbindung Hansea Berlin, mit Widmung, datiert 1919
Klassischer studentischer Facettenkrug aus farblosem Glas mit Zinnmontur und fein bemaltem Porzellandeckel-Einsatz. Das zentrale Motiv des Deckels zeigt das polychrome Vollwappen der Verbindung Hansea zu Berlin. Der geviertelte Wappenschild präsentiert im oberen rechten Feld das Gründungsdatum „20. X. 1909“ über zwei gekreuzten Korbschlägern im Lorbeerkranz, im unteren linken Feld einen goldenen Hermesstab (Caduceus) auf rotem Grund als Symbol für Handel und Wirtschaft, sowie im unteren rechten Feld den Berliner Bären auf goldenem Grund. Das erste Feld zeigt den Zirkel der Verbindung auf geteiltem Grund. Über dem Schild thront ein Stechhelm mit rot-silbernen und gold-silbernen Helmdecken, bekrönt von einer dreifarbigen Helmzier aus Straußenfedern in den Farben Rot-Weiß-Gold. Umrahmt wird das Wappen von den Wahlsprüchen „Hansea sei’s Panier!“ im oberen und „Einer für Alle, Alle für Einen!“ im unteren Rund. Als Daumenrast fungiert ein plastisch ausgearbeiteter Adler. Der umlaufende Zinnrand des Deckels ist mit zahlreichen, manuell eingeritzten kreuzförmigen Kerben („X“) versehen. Im Deckelinneren befindet sich die kalligrafische Widmung: „Walter Mottok Z! s/l. Lbbr. (seinem lieben Leibburschen) Franz Tujanek Z! z. frdl. Erg. (zur freundlichen Erinnerung) Berlin, S.S. 1919“. Am unteren Rand ist die Malerei signiert mit „F. Müller, N. 24.“. Der Glaskorpus ist mehrfach facettiert geschliffen und weist am oberen Rand einen Eichstrich „0,35 l“ auf. Altersgemäß guter Zustand, 17,5x7,5 cm (HxD).
Die Verbindung Hansea zu Berlin führte die Farben Rot-Weiß-Gold. Das Gründungsdatum 20. Oktober 1909 und der Hermesstab im Wappen weisen auf eine Verbindung mit wirtschaftswissenschaftlichem Hintergrund hin, vermutlich an der Handelshochschule Berlin. Die auf dem Zinnrand eingeritzten Kreuze sind authentische Zeitzeugnisse studentischen Brauchtums, sogenannte „Bierstriche“ oder „Kannenstriche“. Es war üblich, den Konsum ganzer Maße (Kannen) oder besonderer Leistungen bei Kneipen und Kommersen durch Einritzen in das weiche Zinn dauerhaft zu dokumentieren. Diese individuellen Nutzungsspuren verleihen dem Objekt besonderen historischen Charme.